01.08.2010 10:05 Uhr
 

 

OOPS - DIE FEHLERBOX

 

Ihre Meinung ist uns wichtig

Sollten Sie einen Fehler gefunden oder eine Anmerkung für uns haben, sind wir dankbar für alle Hinweise. Schicken Sie uns eine E-Mail an desk@lvz-online.de.
 

 

ONLINE-SERVICE-CENTER

 

Service rund um Ihre Zeitung

Hier können Sie Anzeigen für die Rubrikenmärkte aufgeben, eine Zeitung bestellen, ihr Abonnement verwalten, ein E-Paper bestellen und noch vieles andere mehr.






Anzeigen-Service Abo-Service Probeabo bestellen AboPlus Prämienshop Zeitungsarchiv

 

 

MeinVZ

Rösler kündigt runden Tisch zur Behebung des Ärztemangels im Osten an

Interview: Dieter Wonka
Gesundheitsminister Philipp Rösler.   Foto: dpa Gesundheitsminister Philipp Rösler. Berlin. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) will mit einem runden Tisch aller Verantwortlichen und einem Attraktivitätsprogramm für junge Mediziner der mangelnden Ärzteversorgung auf dem Lande zu Leibe rücken. Im Interview mit der Leipziger Volkszeitung skizziert Rösler seine entsprechenden Vorstellungen.

Frage: Es gab schon viele Versuche, die Ärzte-Mangelversorgung auf dem Land und insbesondere auch in Ostdeutschland durch alle möglichen Anreize auszugleichen. Der Erfolg ist überschaubar. Haben Sie ein Patentrezept parat?

Philipp Rösler: Ein Patentrezept gibt es nicht. Die zufriedenstellende Ärzteversorgung auch auf dem Land ist die wichtigste Herausforderung in der gesamten Gesundheitspolitik. Die Menschen werden Reformen immer erst danach beurteilen, ob eine gute flächendeckende Versorgung existiert. Deswegen wollen wir für das erste Halbjahr 2010 das Thema Versorgung zu einem Schwerpunkt unserer Politik machen.

Wie denn?


Es fängt schon bei der Zulassung zum Studium an. Schulnoten alleine sagen nichts darüber aus, ob man später eine gute Ärztin oder ein guter Arzt wird. Wir müssen uns fragen, was machen eigentlich die Ärzte, die zwar studiert haben, aber gar nicht in den Arztberuf gehen? Die Attraktivität des Arztberufes muss gesteigert werden. Dabei geht es beileibe nicht vorrangig um finanzielle Fragen. Nehmen Sie meine Familie. Unsere Zwillinge sind 16 Monate. Meine Frau will jetzt wieder als Ärztin arbeiten, aber nur halbtags wegen der Kinderbetreuung.
Halbtags könne man aber nicht in der Klinik tätig sein, sagte man ihr. Sie könne im Zwei-Wochen-Turnus arbeiten. Das aber ist mit normaler Kinderbetreuung nicht zu organisieren. Auf die Idee, den Klinikalltag so zu ändern, dass er für junge Ärzte familienfreundlicher wird,  kommen viele Klinikmanager bisher nicht. Ich höre immer nur die Klagen über Ärztemangel. Dabei ist die Feminisierung des Ärzteberufs doch bekannt. 60 Prozent aller Studienanfänger sind junge Frauen. Und deshalb muss man auch neue Wege gehen. So sind auch medizinische Versorgungszentren ein interessantes Angebot, weil es für Ärztefamilien durchaus attraktive Arbeitgeber sind.

zum Thema Sachsen wirbt in Österreich um Ärzte Gehört eine dauernde flächendeckende Ärzteversorgung auch zu den Eckpfeilern eines Systems, für das man nur bei optimalem Angebot bereit ist, hohe Beiträge zu bezahlen?

Die Grunddaten für die Ärzte-Bedarfsplanung stammen aus den 90er Jahren, als alle über eine Ärzteschwemme diskutiert haben. Statistisch erfasst werden Bezirke als medizinisch schlecht versorgt erst, wenn die Zahl der Hausärzte unter 75 Prozent des eigentlich notwendigen Bedarfs liegt, bei den Fachärzten gilt ein Wert von unter 50 Prozent. Das Ergebnis war gewollt: Bezirke mit ungenügender Ärzteversorgung sind statistisch die Ausnahme, dabei haben die Menschen bereits viele gegenteilige Erfahrungen gesammelt.

Brauchen wir wirklichkeitsnähere Modelle für die Ärztestatistik?

Ja.  Deshalb wollen wir im Rahmen unserer Vorsorgeplanungen alle Beteiligten, also Kassenärztliche Vereinigungen, Krankenkassen, die Länder und die Kommunen, gemeinsam an den Tisch holen, um Möglichkeiten zur Steigerung der Attraktivität des Ärzteberufs zu entwickeln. Die Entscheidung, wer als Mediziner wohin geht, fällt in der Regel im Studium. Niedergelassene Ärzte, die in der Großstadt praktizieren, lassen sich meisten auch nicht mit Prämien von 50 000 oder 100 000 Euro aufs Land locken. Strafzahlungen werden ebenfalls nichts bewirken, wenn jemand eine eingeführte Großstadtpraxis betreibt. Wir brauchen interessante Angebote für junge Mediziner.
Für den Einsatz in der Fläche müssen wir insbesondere bei den Studenten werden. Das reicht von Prämien- und Stipendienangeboten bis hin zu einer überzeugenden Kinderbetreuung.  Bei Anreizen müssen wir alle Möglichkeiten ausschöpfen. Beispielsweise gehört dazu, angehende Mediziner im Rahmen der Facharztausbildung in Krankenhäuser in der Fläche zu bringen. Wer dort ist, der überlegt sich eher, sich in der Region als Arzt niederzulassen.