Bühne
Burlesque-Show im Kabarett: Leipzigs Lipsi Lillies im LVZ-Videointerview
Matthias Puppe
Leipzig. Es gibt wahrlich aufregendere Dinge als den gemeinen
Kaffeeklatsch. Beim Inbegriff dieser bürgerlich-sittsamen
Nachmittagsgesellschaften gehören Bautzener Spitze am Tischtuch und
Omas Tropfschutz an der Kaffeekanne ebenso zum guten Ton wie
urplötzlich eindösende Gesprächpartner. Und dennoch versprach ein
solches, früher im Gegensatz zum nicht minder abenteuerlichen
Herren-stammtisch auch gern Damenkränzchen genanntes Beisammensein am vergangenen Sonntagnachmittag im Leipziger Central Kabarett deutlich
erhöhte Pulsschläge, staunende Blicke und nicht zuletzt auch amüsierte
Gemüter. Denn zwischen Kaffee, Schokolade und Gebäck traten hier drei
„Verbotene Früchte“ ins Rampenlicht: die Lipsi Lillies.
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Die
Kunst der drei auch als Miss Mama Ulita, Mirielle Taútoú und Simone de
Boudoir bekannten Damen wird Burlesque genannt und lässt sich als ein
glamouröses, sehr humorvolles, detailverliebtes und ohne die üblichen
Klischees auskommendes Spiel mit Sexualität und Geschlechterrollen
beschreiben, bei dem die Andeutung weit größeres Aufsehen erregt als es
die unumstößlichen Tatsachen im artverwandten Striptease vermögen. Vor
allem in den 1930ern und 1940ern erlebte diese Form des
Unterhaltungstheaters zwischen Pariser Moulin Rouge und New Yorker
Broadway seine Blütezeit. Seit ein paar Jahren feiert der Burlesque nun
mit vielen stilistischen und ästhetischen Referenzen in die damalige
Zeit weltweit eine Renaissance und machte u.a. auch Dita von Teese zu
einem Weltstar.
Bei den Lipsi Lillies, der ersten
Burlesque-Gruppe in Leipzig, wird das kunstvoll verschränkte
Präsentieren der eigenen Erotik auf der Bühne eingebettet in mehrere
kurzweilige Showszenarien, die am Sonntagnachmittag beispielsweise
vielversprechend „Schwarze Mamba“, „Watch the Birdie“ oder „Die
zersägte Frau“ heißen und mit Humor, Zauberei und Verführung dem
goldenen Zeitalter des Revuetheaters alle Ehre machen.
Kennengelernt
haben sich die Lipsi Lillies übrigens beim Swingtanz oder genauer
gesagt beim Lindy Hop, der in Leipzig seit langem sehr stilecht
regelmäßig zum „Lipsi Hop Tea Dance“ zelebriert wird. Seit etwa einem
Jahr glänzen Miss Mama Ulita, Mirielle Taútoú und Simone de Boudoir nun
gemeinsam für den Burlesque wie kürzlich etwa auch beim Auftritt auf
dem von Stars und Sternchen gesäumten Semperopernball in Dresden.
Weitere
Auftritte der Lipsi Lillies sind im Central Kabarett am 12. Februar und am 14. März
geplant. Karten dafür gibt es im Vorverkauf auch auf der
Homepage des Kabaretts
.
© LVZ-Online, 01.02.2010, 10:53 Uhr