BouL.E.vard
Wie Hollywood, nur ein bisschen kleiner
Kerstin Decker
Foto: André Kempner
Hauptdarsteller Atta Yaqub (links) und Christoph Franken (rechts), in der Mitte Regisseur Kanwal Sethi und Produzent Holm Taddiken.
Vor zwei Wochen drehte Hollywood am Flughafen Leipzig-Halle, gleichzeitig entstand im Leipziger Osten ein deutsch-kanadisch-polnischer Kinofilm mit prominenten deutschen Schauspielern. Mit derart großen Nummern kann sich die Filmcrew nicht messen, die gerade in Connewitz und an anderen Schauplätzen den Kinofilm „Knotenpunkt" (Arbeitstitel) dreht. „Vom Budget her sind wir mehrere Nummern kleiner, backen kleinere Brötchen", stellt Produzent Holm Tadikken klar, „aber vom Herzblut und der Ernsthaftigkeit gehen wir nicht anders ran als Hollywood." Taddiken (37), Inhaber der Firma Neufilm an der Altenburger Straße, lebt seit Jahren in Leipzig. Genauso wie der in Indien geborene Regisseur Kanwal Sethi.
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Für den 39-jährigen Regisseur ist es sein erster Spielfilm. Er will zeigen: „Auch in Leipzig gibt es Parallelwelten wie das Asylbewerberheim oder den Asia-Großmarkt an der Maximilianallee. Die Integration fängt an, wenn die Menschen versuchen, diese Parallelwelten zu entdecken und sich anzueignen." Sethi erzählt die Geschichte eines Deutschen, der nach Japan auswandern will, und eines pakistanischen Friseurs, der illegal nach Deutschland eingewandert ist. Ein Autounfall verkettet beide miteinander. Gedreht wird vor allem nachts, im Freien und in der Kälte. Fehler können kaum ausgebügelt werden, da am nächsten Tag das Set bereits abgebaut ist. „So nach und nach wurde mir jetzt erst klar, was ich da mache", lächelt Regisseur Sethi. Seine Hauptdarsteller wohnen übrigens nicht hollywoodmäßig im Luxushotel, sondern in einer günstigen WG in der Kurt-Eisner-Straße. Vielleicht ändert sich das ja, wenn der Streifen erst auf großen Festivals, im Kino und bei Mitfinanzier ZDF gelaufen ist.
© LVZ-Online, 09.03.2010, 18:49 Uhr