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Auch Schweinfurt will Unister - Baugenehmigung in vier Wochen
Jens Rometsch
Leipzig. Im Streit um die neue Firmenzentrale des Leipziger Internet-Unternehmens Unister gab es am Dienstag den nächsten Abwerbeversuch. Die Wirtschaftsförderung der Stadt Schweinfurt versprach eine Baugenehmigung binnen vier Wochen und viel Unterstützung, wenn Unister nach Bayern umzieht.
"Die Tränen kommen einem Wirtschaftsförderer, wenn er liest, wie Sie derzeit in Leipzig um Ihre Baugenehmigung ringen müssen." Das schrieb Hans Schnabel, Leiter der Wirtschaftsförderung der Stadt Schweinfurt, jetzt an Unister-Chef Thomas Wagner. "Falls Sie es eilig haben, wir stellen Ihnen ein modernes Bürogebäude in unserem Industrie- und Gewerbepark Maintal in einem Jahr hin." Die Baugenehmigung dort dauere vier Wochen. Auf Wunsch könne das Leipziger Unternehmen auch eine fertige Planung für ein Bürohaus mit 7000 Quadratmetern Nutzfläche übernehmen, zudem mit jeder Unterstützung rechnen. Schnabel versicherte: "Falls Sie Interesse an einem Gespräch haben, bin ich gerne morgen bei Ihnen in Leipzig."
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Die Stellungnahme der Stadt Leipzig zum Interview des Geschäftsführers der Unister GmbH, Thomas Wagner (PDF, 32 kB)
Video zum Streit um den Neubau
Nach Detlef Schubert (CDU), dem Wirtschaftsstaatssekretär von Sachsen-Anhalt, bemüht sich damit nun auch eine Stadt in Unterfranken um Unister. Wohlgemerkt eine, die fast ebenso viele sozialversicherungspflichtige Jobs hat wie Einwohner und die bei der Prognos Zukunftsstudie 2007 auf Platz 1 aller deutschen Städten in puncto "Dynamik" kam. Ausweichangebote für die neue Firmenzentrale habe es in den vergangenen Monaten aber auch in Leipzig mehrfach gegeben, sagte Heike Scheller, Sachgebietsleiterin Mitte im hiesigen Stadtplanungsamt. So habe die Kommune Unister vorgeschlagen, den wachsenden Platzbedarf durch den Bau eines dritten Leipziger Hochhauses am Goerdelerring zu befriedigen. "Dort könnte an der Spitze auch groß das Firmenlogo angebracht werden."
Foto: André Kempner
Diesen Entwurf von Luka Kalkof will Unister an der Ecke zum Brühl verwirklichen.
Als Alternative ebenfalls ins Gespräch gebracht wurden große Areale neben dem Hauptbahnhof sowie an der Gerberstraße (ehemals Robotron), so Scheller weiter. Eine gute Lösung wäre es gewesen, wenn sich das Unternehmen am jetzt geplanten Bauplatz Brühl 76/Goethestraße etwas verbreitert und das Nachbargrundstück Brühl 74 hinzukauft. Dieses Gründerzeithaus, errichtet durch die Pelzhändler Gebrüder Assuschkewitz, steht seit vielen Jahren leer. Allerdings verlangt der heutige Eigentümer angeblich einen Fantasiepreis von etwa zwei Millionen Euro für die kleine Fläche. Zugleich behindert er den Abriss auf dem Unister-Areal, weshalb am Dienstag eine Verhandlung am Dresdner Oberlandesgericht stattfand. Das Urteil wird nun für 16. März erwartet. "Beide Objekte haben nur eine gemeinsame Brandmauer", erklärte Hans-Gerd Schirmer, Leiter des Bauordnungsamtes. "Damit das Nachbarhaus bei einem weiteren Abriss nicht einstürzen kann, haben wir dem dortigen Eigentümer schon im November eine Duldungsverfügung geschickt, damit er entsprechende Sicherungsarbeiten durch Unister duldet. Bislang stellt er sich aber leider stur." Am Donnerstag wolle er mit dem Rechtsamt weitere Schritte abstimmen, um Unister beim Abriss zu helfen, sagte Schirmer.
CDU und FDP stellten am Dienstag "dringliche Anfragen" zu dem Neubauvorhaben an Oberbürgermeister Burkhard Jung. Beide Fraktionen forderten dabei mehr Engagement für die Arbeitsplätze. Grüne und SPD betonten ebenfalls, dass Unister in Leipzig willkommen sei. Das junge Unternehmen müsse sich aber an die Baugesetze und Vorschriften halten. SPD-Stadträtin Ingrid Glöckner plädierte ebenso wie der Vorsitzende des Bau- und Planungsausschusses Roland Quester (Grüne) für die Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens, falls Unister auf einem zusätzlichen Stockwerk bestehe. Dies hatte auch schon die Linke gefordert.
© LVZ-Online, 16.02.2010, 22:39 Uhr