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KWL beurlaubt ihre Geschäftsführer Heininger und Schirmer
Klaus Staeubert / Jens Rometsch
Foto: Wolfgang Zeyen
Die beiden KWL-Geschäftsführer Andreas Schirmer (li) und Klaus Heininger.
Leipzig. Die Geschäftsführer der Kommunalen Wasserwerke
Leipzig (KWL), Klaus Heininger und Andreas Schirmer, sind von ihren Funktionen
entbunden worden. Nach LVZ-Informationen sollen die beiden Manager in
hochriskante Finanzgeschäfte verwickelt sein. Die Gesellschafter beurlaubten die Geschäftsführer kurz vor Weihnachten mit
sofortiger Wirkung. "Damit soll die Aufklärung außerordentlicher Umstände,
die eine tiefgreifende Untersuchung nötig machen, ohne Ansehen der Person zügig
abgeschlossen werden", teilte der Aufsichtsratsvorsitzende, Leipzigs
Erster Bürgermeister Andreas Müller (SPD), in einer dürren Erklärung mit. Der
Aufsichtsrat werde sich am 8. Januar mit den Ergebnissen der Untersuchung
befassen. Zu Gründen oder Hintergründen wollte sich Müller nicht äußern. Die
Beurlaubung von Heininger und Schirmer steht nach LVZ-Informationen im
Zusammenhang mit dem Abschluss risikoreicher Finanzgeschäfte.
So soll schon 2006 ein Vertrag mit einer Bank in London geschlossen worden
sein, bei dem die KWL als eine Art Versicherer auftraten, um Verpflichtungen
aus den umstrittenen Cross-Border-Leasing-Verträgen drei Jahre zuvor zu
erfüllen. Das Volumen des London-Deals umfasse einen dreistelligen
Millionenbetrag. Die KWL könnten dadurch mehr als zehn Millionen Euro Schaden
erleiden, hieß es in Rathauskreisen: "Die haben gezockt."
Wie berichtet, gerieten durch den Ausbruch der internationalen Finanzkrise 2008
auch die streng geheim gehaltenen Cross-Border-Leasinggeschäfte unter
Bonitätsdruck, die die Wasserwerke vor sechs Jahren mit US-Geldanlegern
vereinbart hatten. Bestehenden Versicherungen erschienen nun als nicht mehr
ausreichend, weshalb Heininger vor einigen Monaten vorschlug, die laufenden
Verträge zu kündigen und durch neue zu ersetzen. Durch diesen Vorgang - sowie
eine mittlerweile erfolgte Anklage gegen Heininger wegen Bestechlichkeit und
Untreue bei den Cross-Border-Leasinggeschäften - soll Schirmer begonnen haben,
eigene Recherchen zu dem ganzen Komplex anzustellen. Dabei sei er zunehmend in
Konflikt mit Heininger geraten, der sogar dem Firmen-Rechtsanwalt der KWL
verboten habe, Auskünfte an Schirmer zu Finanzproblemen zu erteilen.
Schirmer
entdeckte dennoch "unverantwortbare Risiken" in den Verträgen mit der
Londoner Bank, die er freilich einst selbst mit unterschrieben hatte: hunderte
Seiten in englischer Sprache. Schirmer soll darüber den Gesellschafter
(hauptsächlich die Stadt Leipzig vertreten durch die Holding LVV) informiert
haben. Letzterer gab ein Gutachten bei der Wirtschaftsprüfgesellschaft KPMG in
Auftrag, das zur nächsten Aufsichtsratssitzung am 8. Januar vorliegen soll.
Per Brief wurden alle Stadträte noch Heiligabend über die Beurlaubungen
unterrichtet. "Ich finde diese konsequente Entscheidung sehr
positiv", kommentierte gestern CDU-Fraktionsvorsitzende Ursula Grimm. Die
Union hatte bereits mehrfach die Abberufung Heiningers gefordert. In
Gesellschafterkreisen wird mittlerweile sogar erwogen, Strafanzeige zumindest
gegen Heininger zu stellen sowie Schadenersatz zu prüfen.
© LVZ-Online, 27.12.2009, 22:48 Uhr