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Citynews

"Militante Gruppe" droht erneut: "Waffen werden skrupellos gegen euch eingesetzt"

Frank Döring
Leipzig. Nach einer Woche Funkstille hat die dubiose "Militante Gruppe Leipzig" (MG) am Freitag erneut eine E-Mail-Botschaft verschickt. Um 3.07 Uhr ging das Schreiben unter anderem bei der Linksjugend und dem linksalternativen Ladenschluss-Bündnis ein. Bei den Verfassern hatte sich offenbar einiges angestaut: Auf mehr als drei Textseiten, diesmal in weitgehend korrekter Rechtschreibung, breiten sie allerlei wirre Drohungen aus.

Wie berichtet, hatte sich die MG am Freitag vergangener Woche zu den Brandanschlägen auf zwei Polizeifahrzeuge und ein Honda-Cabrio in Reudnitz-Thonberg bekannt. In ihrem jüngsten Schreiben wenden sich die Autoren namentlich an die Stadträtin der Linken, Juliane Nagel. Diese hatte nach den ersten Bekennerschreiben eine linke Urheberschaft weitgehend ausgeschlossen. "Ihr Irrglaube", heißt es in der E-Mail der MG, "die linke Szene wähle vermutlich andere Mittel als Brandanschläge, macht deutlich, dass das notwendige Umdenken noch nicht bei jedem angekommen ist. Es ist an der Zeit, die Revolution einzuleiten." Nagel, die seit Jahren unermüdlich Demonstrationen gegen Neonazis organisiert, wird ein zu lasches Vorgehen attestiert. "Ihre lauen Aktionen versickern jedes Mal im Sand", so die MG.

"Wir werden in Zukunft weiterhin gezielt Anschläge gegen Bonzenkarren, Polizei, staatliche Organe und Machtmonopole durchführen", kündigt die Gruppe an. Und Polizisten droht sie: "Waffen werden skrupellos gegen euch eingesetzt. Wir zögern nicht, einen Bullen, der uns nach Brandsätzen kontrollieren möchte, abzuknallen. Insbesondere die BFE-Einheiten (Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten, d. Red.) werden in nächster Zeit Ziel von Feuerbomben."

Gleichwohl bleibt den Gruppenmitgliedern offenbar noch Zeit für Büroarbeit: "Unsere Internetseite mit Anleitungen zum Abhören des Polizeifunks, der Herstellung von Sprengstoffen und Brandbomben, der Außerkraftsetzung der Stromzufuhr zu Polizeirevieren sowie des effektiven Abfackelns von Bonzenkarren ist derzeit im Aufbau", berichten sie.

Die Polizei prüft, ob hinter den bisherigen drei E-Mails, die sich sprachlich zum Teil deutlich voneinander unterscheiden, die selben Verfasser stecken und ob diese tatsächlich mit den Brandstiftungen zu tun haben könnten. "Bisher ist in den Schreiben keinerlei Täterwissen erkennbar geworden", so ein Ermittler gegenüber der LVZ.

Die Polizei nimmt die Drohungen dennoch weiterhin ernst. "Wir erhalten alle Sicherheitsvorkehrungen aufrecht", so Sprecher Uwe Voigt, den die "Militante Gruppe" in ihrer E-Mail ebenfalls persönlich angesprochen hat.

"Es ist eine gezielte Provokation gegen linke außerparlamentarische Politik in Leipzig", kommentierte Juliane Nagel die jüngste Botschaft der MG. "Inhalt, Art und Weise dieser E-Mail verweisen meines Erachtens auf die organisierte Naziszene."

Allerdings hatten Ermittler von Anfang an nicht ganz ausgeschlossen, dass auch ein irrer Einzeltäter die ominöse Drohkulisse errichtet haben könnte. Nicht etwa aufgrund irgendeines politischen Motivs, sondern aus dem dringenden Wunsch heraus, wenigstens einmal richtig ernst genommen zu werden.
 

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