17.03.2010, 07:04 Uhr
 
Mitteldeutschland

Impfstoffmangel: Kinderärzte raten zu Alternativen

Anita Kecke
Kinderärzte raten aufgrund des Impfstoffmangels zu Alternativen.   Foto: dpa Kinderärzte raten aufgrund des Impfstoffmangels zu Alternativen. Dresden/Chemnitz/Leipzig. Der Vorsitzende der Sächsischen Impfkommission, Dietmar Beier, hält es keineswegs für dramatisch, dass es vorübergehend einen Engpass gibt beim Sechsfach-Impfstoff für Säuglinge. Erstens habe er von der Firma Glaxosmithkline die Information bekommen, dass der Sechsfach-Impfstoff Mitte Februar wieder ausgeliefert werden könnte, sagte er am Montag der LVZ. Zweitens gebe es genügend Impfstoffe von anderen Herstellern, unter anderem einen Fünffach-Impfstoff. "Die Eltern sollten nicht in Panik verfallen", rät Beier daher. Das unterstützt auch Sachsens Gesundheitsministerin Christine Clauß (CDU). Sie verwies gegenüber dieser Zeitung darauf, dass es ohnehin immer eine gewisse Zeitspanne für die Impfung gebe. Der Sechsfach-Impfstoff ist gegen Diphtherie, Wundstarrkrampf, Kinderlähmung, Keuchhusten, HIB-Infektion und Hepatitis B und wird ab der achten Lebenswoche verabreicht.

Die Sächsische Impfkommission (Siko) empfiehlt zudem im Freistaat die jährliche Grippeschutzimpfung als Standardimpfung schon für Kinder ab dem 7. Lebensmonat. Diesen Schritt, der über die bundesweiten Empfehlungen hinausgeht, unterstützt das sächsische Gesundheitsministerium. Mit ihren Empfehlungen hat die Sächsische Impfkommission schon mehrfach die bundesweiten Regelungen vorangetrieben. "Unseren Beschlüssen ist die Ständige Impfkommission beim Robert-Koch-Institut in Berlin, die bundesweite Empfehlungen gibt, schon mehrfach gefolgt", sagt Dietmar Beier. Beispiele seien die Windpocken-Impfung oder die Keuchhusten-Auffrischung. Sachsen sei auch deshalb Vorreiter, weil es als einziges Bundesland über eine eigene Impfkommission verfügt. "Im kleinen Rahmen lässt sich manches eben besser und vor allem schneller klären."

Die engen Kontakte unter Kindern, wie in Kindertagesstätten oder Schulen, würden dazu beitragen, dass Grippeviren schnell weiterverbreitet würden, so Beier. Zugleich erhöhe sich das Risiko, dass auch Erwachsene angesteckt werden. "Deshalb wollen wir diese mögliche Ansteckungskette verhindern."

Sachsen hat seit Jahren beispielhafte Influenza-Impfungsraten: 2007 wurden rund 1,4 Millionen Impfungen vorgenommen, 2008 waren es 1,3 Millionen. Auch deshalb ist in Sachsen von der Grippesaison kaum etwas zu spüren. Seit dem Herbst 2009 gibt es nur 914 gemeldete Grippefälle, die meisten davon betrafen aber die Schweinegrippe.

Von Kinderärzten wird die Empfehlung der Sächsischen Impfkommission begrüßt. "Dass nicht nur Kinder mit chronischen Grunderkrankungen den Grippeschutz erhalten, macht durchaus Sinn", sagt Professor Volker Schuster, Leiter der Kinderpoliklinik am Universitätsklinikum Leipzig. "Denn auch bei kleinen Kindern kann es zu schweren Komplikationen im Rahmen einer Grippeerkrankung kommen. Von der Weiterverbreitung der Viren ganz zu schweigen. Wir werden den Eltern auf alle Fälle raten, vor der nächsten Grippesaison ihre Kinder schützen zu lassen."
 
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